Julian Haag auf dem harten Weg zurück: «Die schönste Zeit ist jetzt»

Der FC Rorschach-Goldach glänzt zwar nicht, gewinnt aber in Rebstein gegen den Tabellenletzten 2:0 und bleibt unbesiegt an der Tabellenspitze der 2. Liga. Der eingewechselte Julian Haag berührt den Ball nur zweimal.

Für die letzten zwei Spiel- und für fünf Nachspielminuten, also für insgesamt sieben Minuten, kommt Rorschachs Julian Haag in Rebstein aufs Feld. Das Spiel der 2. Liga regional ist gelaufen, Luca di Benedetto und Oliver Baumann haben getroffen. Die traurige Bilanz des Ersatzmanns: Zwei Ballberührungen nach Zweikämpfen, einmal davon wegen Foulspiel abgepfiffen. Der 26-jährige Mittelfeldspieler kann fussballerisch nichts zeigen.
Dennoch sind diese letzten Spielsequenzen und die folgenden Minuten beim Auslaufen eine ausgezeichnete Visitenkarte. Da stürmt einer, den Kopf hoch, in den gegnerischen Strafraum und hilft hinten aus. Da ist einer beim Auslaufen ins Team integriert, macht so mit, als hätte er 90 Einsatzminuten hinter sich. Frustriert? Hässig auf den Trainer? Nein, Julian Haag ist einer, der zum Team gehört. Oder besser: Der sich momentan ins Team zurückkämpft.

Verletzungen im Fussball und auf dem Snowboard

Verletzungen haben ihn zurückgeworfen: Er hat beide Sprunggelenke gebrochen, einmal beim Fussball und im Februar beim Snowboarden. «Ich bin eigentlich noch im Aufbautraining», sagt er, «in letzter Zeit aber ist es immer besser gegangen, die Schmerzen klingen ab. Ich bin bald wieder da, wo ich hin möchte.» Das würde heissen, dass der laufstarke Kämpfer und Linksfüsser wieder einen Platz im Rorschacher Mittelfeld hätte.
Stammspieler möchte er also werden. Im ersten Spiel wird er nach 70 Minuten ausgewechselt, in den restlichen vier gehört er nicht zur Startformation, wird aber eingewechselt, einmal für eine Viertelstunde, einmal für neun Minuten, und diesmal eben nur für zwei Ballberührungen. Der Weg zurück ist hart.
Wenn er aus seinem Leben erzählt, schaut man in ein fröhliches Gesicht und spürt Kontaktfreude, Spass am Sport und Freude an der Gemeinschaft, an der Mannschaft.

Die schönste Zeit und eine Weltreise

Angefangen hat der sportliche Weg für den damals Sechsjährigen beim FC Rorschach. Als er vor zehn Jahren als Junger zum ersten Mal in der ersten Mannschaft spielt, sind David Gonzalez – heute sein Trainer – und Torhüter Carlos Silva (heute Goalietrainer) seine Mitspieler. Und auf die Frage nach der schönsten Zeit im Fussball muss er nicht nachdenken: «Die ist jetzt. Ich kann wieder spielen, und wir stehen unbesiegt an der Tabellenspitze.»

Der berufliche Weg führt ihn zur Firma Frisco in Rorschach, bekannt durch ihre Glacés und ihre Pommes frites. «Aber wir haben eine ganz grosse Palette an Tiefkühlprodukten», ergänzt er. Er macht dort das KV und arbeitet nun schon seit zehn Jahren in der gleichen Firma. Seit einem Jahr betreut er als Vertreter 600 Frisco-Kunden im Bündnerland. «Ich kann gut auf Leute zugehen», sagt er, «und ich freue mich auf neue Kontakte.» Neue Kontakte und neue Gegenden wird er im nächsten Jahr besonders oft erleben. «Ich gehe auf Reisen. Nach Asien, Indien, Australien.» Und er zählt noch weitere Destinationen auf. Das Ende der Weltreise lässt er offen. Und den Start auch. «Also so lange der FC Rorschach-Goldach 17 Chancen für einen Aufstieg hat, so lange werde ich sicher nicht verreisen», schmunzelt er.

Dass er dann aber nach dem Aufstieg die Spiele in der 2. Liga interregional verpassen würde, kümmert ihn nicht. Schliesslich hat er als Junger ja schon einmal in dieser Liga gespielt.